Was spricht eigentlich gegen ein anständiges „Ja“ oder „Nein“?
Zwei Wörter. Dinosaurier einer jeden Sprache. Die Höhle unter den Sozialbauten. Der Transistorradio unter den Digitalboxen. Ja und Nein – zwei Wörter, die gleich nach „Mama“ und „Papa“ kommen. Oder sogar davor, wenn man schon als Kind einen bestimmenden Charakter hat.
Im journalistischen Interview sind sie gefürchtet. Nicht das Ja oder Nein an sich. Aber wenn schon, dann muss dem Ja oder Nein zumindest noch eine pathetische Erklärung folgen, warum man das Wort eben gebraucht hat.
Also werden schon Studenten und Praktikanten mit erhobenem Zeigefinger und weit aufgerissenen Augen gemahnt:
„Um Gottes Willen keine geschlossenen Fragen!“ Ein simples Ja oder Nein als Antwort, das sei der Tod eines jeden Interviews.
Ich frage: Warum eigentlich? Ja und Nein – das kann entlarven, aufdecken und aufklären. Wenn die Frage gut gestellt ist. Es muss nicht immer eine minutenlange Rede sein. Das kann langweilen, nerven, schlicht: nicht genügen. Wenn die Frage schlecht gestellt ist.
Besonders peinlich wirds, wenn Journalisten und Reporter eine geschlossene Frage “gefinkelt“ umgehen wollen. Zwei Wörter – so glauben sie zumindest – sind dann die Rettung für eine schlechte Frage. Mit großem Tatü-Tata kommen sie daher: Das Wort „Wie“ und das Wort „sehr“.
Die dümmsten aller Fragen.
Ein Beispiel, erst gestern wieder gehört und Bestandteil eines jeden Sport-Wochenendes: „Wie sehr schmerzt Sie diese Niederlage?“
Abgesehen davon, dass die Frage auch ohne diese grandiose Umschiffung einer Ja-Nein-Antwort dumm ist – was soll der Befragte darauf schon antworten? Noch nie habe ich jedenfalls gehört: „Es schmerzt mich gar nicht“, „Die Niederlage macht mir großen Spaß“ oder ähnliches.
Oder soll der Befragte gar in Prozent antworten? „Die Niederlage schmerzt zu 70 Prozent, die restlichen 3o Prozent der Niederlage tun gar nicht weh.“
Dumm.
Ich fordere mehr Mut zu klaren Fragen, die auch klare Antworten nach sich ziehen.
Wie sehr würde Ihnen das gefallen?